Montag, 20. Februar 2012

(。・ ‿ ・。)∠☆ PAN!#00162

Ich bin nun seit einer Woche hier in Athen. Ich habe sehr viele neue Leute kennen gelernt und eines der meist angesprochenen Themen ist natürlich die Wirtschaftskrise.
Ich habe mir bisher keine eigene Meinung gebildet.

Ich höre das, was die deutschen Nachrichten berichten, das, was die griechischen Nachrichten berichten, ich höre mir die ganzen Witze, die meine Freunde über die Griechen machen, ich sehe die ganzen Karikaturen über das scheinbar faule griechische Arbeitsvolk und die faulen griechischen Politiker und über die bösen deutschen Politiker, insbesondere Merkel und Scheuble.

Über das Gerücht, das griechische Arbeitervolk sei faul, kann ich Folgendes sagen - und glaubt mir, das alles sage ich, ohne Partei zu beziehen.
In einer griechischen Familie hat die Mutter eine Arbeit und der Vater zwei. Klingt komisch, ist aber so. Das Gehalt eines oder zweier Elternteile reicht einfach nicht, um eine normale drei-, vier- oder fünfköpfige Familie zu ernähren.
Das liegt zum einen an den unglaublich hohen Lebensunterhaltskosten in Athen. Athen ist mit eine der teuersten europäischen Städte. Wirklich lächerlich, wenn man bedenkt, in welcher Situation Griechenland sich nun befindet.
Zum anderen liegt es an den unglaublich niedrigen Gehältern. Als Beispiel sei die Situation eines griechischen Lehrers im Vergleich zu einem deutschen Lehrer dahingestellt: Ein griechischer Lehrer verdient nur 1/3 bis 1/4 von dem, was ein Lehrer in Deutschland bekommt. Generell werden Gehälter so niedrig gehalten, dass die Leute hier im Vergleich zu Deutschland je nach Arbeitssparte nur 1/3 bis 1/5 bekommen.

So sei erstmal erklärt, wieso die Menschen hier auf die Straße gehen und demonstrieren. Nein, sie sind nicht faul, gierig, verwöhnt. Sie sind verzweifelt.

Die Straßenränder sind voller Autos, die ihr Kennzeichen nicht mehr haben, weil deren Besitzer die Steuer nicht mehr zahlen können.
Die Nachrichten berichten vom Anstieg von Armut und Überfällen in Läden und sogar Museen (vor zwei Tagen wurde eine Briefmarkensammlung aus dem 19. Jahrhundert in Wert von 2 Mio Euro und ein goldener Ring aus 1500 v.Chr. geklaut).
Wenn man die Seitenstraßen entlang geht, ist 1 von 3 Geschäften geschlossen.

Ich sage nicht, dass es hier übertrieben gefährlich ist. Also macht euch keine Sorgen. Man kann dem Ganzen echt gut aus dem Weg gehen.
Ich hoffe nur, dass meine Mutter auch den nächsten Schritt wagen wird und sobald wie möglich zu uns nach Hamburg ziehen wird.

Ich bin noch nicht fertig mit meinen Beobachtungen, mit dem, was ich bisher mitbekommen und gehört habe.
Wie gesagt, nichts davon ist meine eigene Meinung. Außer von diesem Abschnitt, in dem ich meine Mutter erwähne. xD'
Für's erste sei dies so dahingeschrieben. TBC.

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